Jubel. Jubel. Wir sind Vize-Europameisterin! Also, Anna ist Vize-Europameisterin und berichtet hier von ihrem Rennen.

Der 14.08.2022 war der Tag meines „geheimen“ Saisonhöhepunktes. Wieso geheim? So richtig weiß ich es auch nicht. Vor manchen Wettkämpfen will ich den Druck möglichst klein halten und irgendwie denke ich es hilft einfach keinem von meinen Vorhaben zu erzählen. Aber jetzt, wo ich das schreibe, merke ich, dass das gar nicht so viel Sinn ergibt.

Im Rahmen der Europameisterschaften in München, hatten die AltersklassenathletInnen die Möglichkeit ebenfalls um die Europameistertitel der jeweiligen Altersklassen (AK) zu kämpfen. Ich hatte bereits die Möglichkeit 2018 in Glasgow an der AK EM und 2019 in Lausanne an der AK WM teilzunehmen. Hier sind mir zwei klasse Wettkämpfe gelungen, sodass ich mir vor dem Rennen in München wieder so ein Erlebnis erhofft habe. Mehrere Wochen vor dem Start wurden die Startlisten veröffentlicht. Da es eine Heim-EM in Deutschland ist, haben viele deutsche TriathletInnen die Möglichkeit genutzt hier zu starten. Dank den Wettkämpfen der Bundesliga und dank Instagram (:-D) kannte ich bereits einige der Mädels meiner Altersklasse. Das hat mich ziemlich eingeschüchtert, denn mit der Veröffentlichung der Startlisten wusste ich, dass es nun ernst wird und der Wettkampf näher rückt. Was mich jedoch entspannte war, dass mich mein Freund Sebastian und mein Papa nach München begleiteten. Papa bekam ebenfalls die Möglichkeit an der EM teilzunehmen, nachdem er bereits in Lausanne antreten konnte und Sebastian kennt mich als Freund & Trainer einfach in- und auswendig.

Der Start in München war nochmal früher als in Lausanne. Für Papa ging es 7:05 Uhr los und ich wurde 8:05 Uhr ins Wasser geschickt. Frühe Uhrzeiten versprechen meist kühle Temperaturen und so wurden um 6 Uhr morgens 11 Grad Luft- und 21 Grad Wassertemperatur gemessen. Wir starteten am Karlsfelder See. Von dort radelten wir rund 22 km zum Olympiapark, wo die zweite Wechselzone war. Der Start erfolgte aller 5 Minuten. In meiner Altersklasse gab es knapp 40 Athletinnen. Wir wurden alle bis zur Hüfte ins Wasser gelassen und dann ging es los. Ich versuchte mich gleich vom Start an aus dem engen Gedränge zu schwimmen und fand mich nach ein paar Metern vor der Gruppe und neben Alina wieder. Alina Würth und ich haben uns im letzten Jahr beim Leipziger Triathlon kennengelernt und bei verschiedenen Bundesliga-Rennen wieder getroffen. In Leipzig ging das Rennen über den Sprint bereits sehr knapp zwischen uns aus, weshalb ich wusste, dass es gut ist mich an Alina zu orientieren. Ich war erstaunt, dass wir über mehr als die Hälfte der Strecke nebeneinander schwimmen konnten. An der vorletzten Boje erwischte sie die bessere Linie und hatte mir knapp eine Schwimmlänge voraus. Ich konnte ihren Wasserschatten halbwegs halten, sodass wir gemeinsam aus dem Wasser stiegen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir an den Positionen 2 und 3 lagen. Bei über 1000 StarterInnen war die Wechselzone entsprechend groß, sodass Alina und ich unsere Räder nicht auf Anhieb fanden. Jetzt hieß es umso schneller wechseln, damit wir keine Platzierung verlieren und schwups ging es aufs Rad, meine Lieblingsdisziplin.

Anna den Windschatten der Konkurrentin: Bei der Europmeisterschaft ist Windschattenfahren erlaubt. (Foto: Petko Beider / DTU)

Beim Radfahren war, wie bereits in Lausanne, das Windschattenfahren freigegeben. Alina und ich konnten das super nutzen und kreiselten gemeinsam über die Radstrecke. Das hat so gut harmoniert, sodass es keinem von uns beiden gelang einen Antritt zu fahren. Wir rollten also gemeinsam zum zweiten Wechsel ein. Ich wusste ehrlich gesagt nicht genau, auf welcher Platzierung wir lagen. Ich dachte wir wären Rang 3 und 4. In der zweiten Wechselzone gelang es mir problemlos den richtigen Wechselplatz zu finden. Vor dem Start waren wir etwas nervös, ob die Schuhe noch so dastehen, wie wir sie am Tag vorher eingecheckt haben. Zum Glück gab es hier keine Probleme und ich konnte schnell wechseln und auf die Laufstrecke gehen. Ich lief kurz vor Alina auf die Runde und wollte von Anfang an zeigen, dass sie es nicht leicht haben wird. Die Laufstrecke war selektiv. Nach einem flachen Kilometer ging es den Olympiaberg hoch. Den Berg sind die Profis bei ihren EM-Wettkämpfen ebenfalls gelaufen, nur in die entgegengesetzte Richtung. Nach dem langen Bergab-Stück ging es dann flach weiter, bis es kurz vor dem Ziel nochmal über einen kleinen Hügel und anschließend am Ufer entlang zum Zielkanal und der Tribüne ging. Ich habe noch nie so einen spannenden Lauf erlebt. Alina lief kurz nach der Wechselzone auf mich auf und nach ein paar Metern an mir vorbei. Ich habe ihren Schritt aufgenommen und bin mitgelaufen. Nach ca. 500m kam eine Wende, an der ich wieder an ihr vorbei gehen konnte. Nach weiteren 200 m liefen mir Kopf an Kopf, nebeneinander zum Olympiaberg. Keiner wollte nachgeben oder konnte weglaufen.

Anna und Alina düsen Schulter an Schulter über die Laufstrecke.

Kurz bevor wir zum Berg einbogen rief uns mein Freund zu, dass es bei uns um Platz 1 und 2 geht. Wir beide waren total überrascht und etwas ungläubig. Am Berg eingebogen, liefen wir auf Alina's Begleiter zu, die sie energisch anfeuerten. Das motivierte mich ebenfalls, sodass ich auch hier nicht locker lies. Wir liefen gemeinsam bis zum höchsten Punkt des Berges und auch bergab konnten wir uns noch nicht voneinander trennen. Wie aufregend! Immer wieder liefen Alina oder ich Stück weiter vorn, bis es wieder zum Schlagabtausch kam. Nach einer weiteren scharfen Kurve ging eine kleine Lücke auf. Alina hatte ein paar Meter Vorsprung. Sie selbst drehte sich um und feuerte mich an, aber meine Beine waren in dem Moment einfach zu. Die Lücke wurde größer und ich hatte kurz Angst, dass gleich gar nichts mehr geht. Zum Glück verging der Gedanke schnell wieder und ich erholte mich. Auf dem Weg zur letzten Erhebung sah ich Papa, der die Arme in die Luft warf und sich freut. Sebastian rief mir zu, dass das jetzt der Weg zum Podest ist. Ich war so motiviert und wollte einfach nur noch ins Ziel. Als ich dann den blauen Teppich unter den Füßen hatte, war es Wirklichkeit und ich konnte mir den Vizetitel in der Sprintdistanz meiner Altersklasse sichern. Ich bin so dankbar und stolz auf dieses harte und spannende Rennen. Alina hat sich den ersten Platz mehr als verdient und wir lagen uns im Ziel ungläubig und überwältigt in den Armen. Vielen Dank an dieser Stelle an Sebastian, Papa, meinen Kumpel Paul und die vielen Leute an der Strecke und an die Unterstützung von Familie und Freunden zu Hause. Ein großer Dank geht (stellvertretend für die DTU) an Lisa, Bernd und Micha, die dieses tolle Event so umgesetzt haben.

Glücklich im Ziel: Anna und ihr Papa.

Was für ein Rennen und was für ein Erlebnis. Das werde ich niemals vergessen. Als nächstes folgt ein Ausflug ins Allgäu, bevor es dann zum letzten Rennen der Bundesliga nach Hannover geht.

 

Anna wird Vize-Europameisterin! (Foto: Petko Beier / DTU)

 

Link zu den Ergebnissen: https://triathlon.org/results/result/2022_europe_triathlon_championships_munich1/544570

 

Sportliche Grüße

Anna Heyder

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